das Phänomen Blogger

Blogger sind oberflächlich, selbstverliebt, selbstinszenierend und haben nichts in der Birne. Sie interessieren sich nur für Mode, Lifestyle, sind lächerlich und haben keine Ahnung von geistreichen Themen. Erdogan ist ein türkischer Auflauf und San Marino ist natürlich eine spanische Insel. Ein Mensch der Bilder von sich selbst ins Internet stellt und sein Leben der Öffentlichkeit zugänglich macht, kann doch nicht normal im Kopf sein. NOT!!!

Ok, es mag vielleicht Blogger geben die tatsächlich selbstverliebt und selbstinszenierend sind. Ob der IQ jedoch niedriger ist als von Nachbars Lumpi, kann ich nicht und will ich nicht beurteilen. Genauso gibt es Politiker und erfolgreiche CEOs denen man am liebsten eine in die „Goschen“ hauen würde. Man kann nicht alle Menschen einer bestimmten Gruppe in einen Topf werfen. Nicht alle Moslems sind Terroristen. Genauso wenig haben alle Österreicher Menschen im Keller versteckt. Ich kann es absolut nicht leiden, wenn Menschen über andere Menschen urteilen und sich dabei selbst nicht an die Nase fassen, denn sie sind ja oh-sooo-perfekt und machen natürlich selbst alles richtig…

Immer wieder werde ich mit dem Thema „Phänomen Blogger“ konfrontiert (Freunde ausgenommen – diese kennen mich einfach zu gut und akzeptieren das was ich mache). Ich merke bei derartigen Diskussionen, wie bei meinem Gegenüber unzählige Fragezeichen aufsteigen, gefolgt von schiefen Blicken, die vielsagend sind (= „Was geht mit der?“ „Blogger, wer!“, „Wieso macht sie das?!“, „Was ist bei der schief gelaufen!“, „Wie lächerlich!“). Derartige Situationen kenne ich zu gut, vor allem von Menschen, die nicht aus der Werbebranche kommen. Und die Gedanken kann man von den Gesichtern ablesen. Einige meiner Diskussionspartner waren sogar ehrlich: „Das könnte ich nie machen!“, „Wieso macht man sowas?!“, „Wieso fotografiert man bitte sein eigenes Essen ständig?“, „Naja, ist schon sehr oberflächlich und selbstinszenierend, was diese Blogger machen!“. Ja, mag schon sein – oberflächlich und selbstinszenierend – aber letztendlich bloggt man nicht, weil man sich selbst so geil findet und präsentieren möchte (geeeeeh bitte, glaubt ihr das echt jetzt???!), sondern weil man aufblüht, bei dem was man tut. Man darf kreativ sein, andere Menschen inspirieren, ihnen vielleicht sogar helfen, sie ermutigen (hey, ich hab 7 Kilo abgenommen – DU schaffst das auch), mit anderen Menschen seine Leidenschaft teilen (egal, ob Fitness, Mode, den Drang nach fernen Ländern oder eine Schwäche für Frühstücks- oder Bürgerlokale) und manche von uns sogar ein Business führen, bei dem sie sein eigener Boss sein dürfen. Das Wichtigste ist, dass man Spaß hat. So, nachdem man seinem Gegenüber all die Dinge erklärt hat und dann noch hinzufügt, dass man genau für diesen Spaß auch noch eine Vergütung erhält … tja, genau in dem Moment merkt man, wie die Fragezeichen immer mehr werden und noch höher aufsteigen: „Waaaaaas, du verdienst damit Geld? Wie geht das? Wie macht man das?!“. Nach diesem Szenario folgt eine Erklärung von Sponsored Posts, eine kurze Einführung in Affiliate Marketing & Co.  Danach folgt ein Verblassen und Verstummen des Gegenübers, der nur mehr chinesische Phrasen hört und nicht mehr folgen kann.

Ganz ehrlich? Solche Leute kotzen mich an. Was interessiert es die, was ich mache und sie müssen es auch nicht gutheißen, denn im nächsten Moment realisiert man, dass genau diese Person seinen Freund/seine Freundin beschissen hat, seine Familie im Stich gelassen hat, die Eltern wie Scheiße behandelt oder schon mal seine Freundin geschlagen hat, Flüchtlinge und überhaupt Ausländer nicht ausstehen kann, absolut kein Verständnis für Menschen in Not hat, sein Geld mit schmierigen Geschäften verdient, andere Menschen abzockt und betrügt oder einfach ein sehr schlechter Mensch ist, der für andere nie da ist und nur an sich selbst denkt. All das ist viel viel schlimmer als ein Blogger zu sein! Andere Menschen in eine Richtung abzustempeln und selbst eine dreckige Suppe zu kochen, geht meiner Meinung nach absolut gar nicht.

Außerdem ist das Leben viel zu kurz, um sich für irgendwelche Dinge rechtfertigen zu müssen, vor allem vor Leuten, die mit einem Tunnelblick oder sogar einer Augenklappe durch`s Leben ziehen. Hauptsache man ist glücklich und zufrieden mit den Dingen, die man tut bzw. tun darf. Social Media und das Internet im Allgemeinen sind in der heutigen Zeit ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Eltern, Verwandte, Freunde, Lehrer und sogar Blogger können wichtige Meinungsbildner sein, die einen auf die richtige Bahn lenken. Man sollte neuen Dingen offen gegenüberstehen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Und wenn man das nicht möchte, dann sollte man Menschen, die das trotzdem tun, in Ruhe lassen. Die Internetwelt ist enorm wichtig und dabei denke ich nicht an Mode, Lifestyle und Co, sondern an Politik zB. Stellt euch vor, man wäre von der gesamten restlichen Welt abgeschottet und würde nicht mitbekommen, was sich in Syrien, Türkei und Co tut. Stellt euch vor, jemand (zB ein Politiker … sagen wir mal der liebe Herr Hofer :-)) würde etwas Schlimmes behaupten (nehmen wir an etwas Schlechtes über Flüchtlinge), ohne, dass es durchs Internet etc widerlegbar wäre. Menschen würden sich noch mehr manipulieren lassen und könnten sich keine Meinung bilden ohne alle Tatsachen miteinander abzuwägen. Wieso haben die Türkei und manch andere Länder ein Facebook/Twitter etc Verbot?! Schon mal darüber nachgedacht? Bestimmt nicht, weil diese Politiker wollen, dass die Kinder zB eher lernen anstelle von Facebook-Surfing zu betreiben. Die Absichten sind meiner Meinung nach diktatorisch. Man möchte diese Menschen bewusst von diversen Dingen der restlichen Welt abschotten. So, und jetzt habe ich mich genug ausgekotzt.

Fazit: Kocht bitte stets eure eigene Suppe und urteilt über andere Menschen nicht zu voreilig! Betrachtet jede Situation mit mehreren Perspektiven!

Das Phänomen Blogger

Les Specs

Tinera

Tinera

// Rock: H&M (Modell online leider ausverkauft; im Shop noch erhältlich – ähnlich hier) // T-Shirt: Pull and Bear (im Sale) // Tasche: Mango (im Sale) // Brille: Les Specs // Schuhe: Converse // Ring: Zara

*dieser Beitrag enthält Affiliate-Links

  • Comments

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    Florentine

    Kaum hab ich mit dem Bloggen angefangen, haben auch mich alte Freunde (die meinen Blog anscheinend über Suchmaschinen gefunden haben müssen, hab sie nämlich bewusst nicht zum Lesen eingeladen) auch beleidigt und verletzt, indem sie mich egozentrisch, oberflächlich usw. genannt haben. Mich hat das damals echt ein bisschen aus der Bahn geworfen, weil ich mit so gemeinen und direkten Reaktionen auf ein kleines Hobby von mir nicht gerechnet habe. Über die Jahre hin hab ich mir eine dickere Haut zugelegt, bekomme aber immer noch Dinge zu hören wie „Dein einziges Hobby ist ja Kochen und Selfies machen“ (weil genau das öfter Mal auf Snapchat zu sehen ist). Fazit: Egal was man macht, irgendjemand will immer seinen Senf dazugeben. Nachdem ich jetzt aber im PR arbeiten durfte, weiß ich, dass es keine negative Werbung gibt – Hauptsache sie reden über Dich, dann machst Du schon was richtig ;-)

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    Ani

    Ich denke, das musste mal raus, oder? Beim Lesen sind deine ganzen Emotionen sehr spürbar gewesen – das ist auch gut so :) Ich habe erst vor kurzem zum Bloggen begonnen, aber habe schon jetzt und auch davor, dieses Unverständnis zu spüren bekommen. Egal ob im privaten oder auch beruflichen Umfeld – hier braucht es noch viel an Aufklärungsarbeit..

    Aber wie du geschrieben hast: Auch wir sind MeinungsbildnerInnen, somit stehen wir in der Öffentlichkeit. Dies bringt (leider) mit sich, dass nicht jede/r der selben Meinung ist wie wir – deshalb auch diese ganzen Anfeindungen. Das ist (leider!) die Menschheit – es ist immer einfach jemand anderen zu kritisieren, bevor „man vor seiner eigenen Haustüre kehrt“.

    Eigentlich ist auch dieses Anfeinden eine gute Sache, denn wo Emotionen losgetreten werden, werden Dinge in Bewegung gebracht. Und wo Bewegung ist, ist Veränderung :)

    Nicht entmutigen lassen!!! :)

    **Ani**

    http://www.kingandstars.com

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      tinera

      ja genau, es musste einfach raus :-) hahahaha. und ja da hast vollkommen Recht.

      LG

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    Sarah

    Tina, ich feier dich gerade für den Text. Super ehrlich und erfrischend geschrieben :) Mir kommt neben dem „Belächelt-werden“ für das was man tut oft auch noch die Frage unter: „Und verdienst auch schon Geld damit und wie viel Geld verdienst denn?“ Aber es lebt sich generell viel besser und leichter, wenn man oftmals einfach drauf sch*** was andere so über einen sagen ;)
    Bis bald, alles Liebe,
    Sarah

    http://www.liebreizend.com

    P.S. Dein Look ist natürlich auch sehr cool, hab so einen ähnlichen Rock und liebe ihn :)

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    Ingrid Staufer

    Bezüglich Phänomen Blogger, war ich schon lange nicht mehr so erstaunt. Sehr gut, wenn Du Komplimente annehmen kannst. Normalerweise lese ich solche „Litaneien“ nicht. Ich bin schnell gelangweilt. Aber DER, perfekt treffend und amüsant. Besser kann man es gar nicht beschreiben. Ich stecke noch irgenwie in den „Kinderschuhen“ vom Blog, und lese ab und zu welche. Deiner hebt sich definitiv ab. Eine Persönlichkeit, wo es sich lohnt sie näher kennen zu lernen. LG Ingrid

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