Der Einfluss der Bloggerwelt

Ich möchte ehrlich zu euch sein. Es gab eine Zeit in meinem Bloggerdasein, an die ich nicht gerne zurückdenke. Ich bewegte mich auf einer Geraden, die für mich nicht richtig war. Ohne es zu merken. Dann machte es plötzlich Klick!

Die Welt der Blogger sieht bunt und aufregend aus. Sie sind stets auf Reisen, essen in fancy Restaurants und sehen immer perfekt aus. Jede Woche präsentieren sie neue Kleidungsstücke, das Zuhause gleicht einem Westwing-Katalog und Probleme kennen sie hauptsächlich aus Erzählungen. So wirkt es zumindest nach Außen! Als Zuseher fühlt man sich teilweise schlecht, weil man der Meinung ist, sein Leben nicht einmal annähernd so stark unter Kontrolle zu haben.

Der Schein trügt! Schon seit 6 Jahren (unfassbar!!!!!!!!) bin ich nun selbst Bloggerin und Teil dieser Branche. Ich kann euch versichern: Blogger sind selbst nur Menschen mit Fehlern und Problemen. Sie sind nicht perfekt und teilweise sogar mit mehr Problemen belastet als manche Follower. Die richtigen Worte zu finden, um euch meine Gedanken genauer zu beschreiben, fällt mir gerade sehr schwer. Vor allem, da es wirklich sehr persönliche Gedanken sind. Aber ich versuche es einfach mal …

Könnt ihr euch noch an die Regenbogenspirale aus den 90ern erinnern? Eines meiner Lieblingsspielzeuge damals. Ich denke, mit diesem Bild im Kopf kann ich euch die Situation am besten beschreiben. Stellt euch vor, die Regenbogenspirale ist endlos. Man kennt das Ende nicht und man weiß auch nicht, wo sich die letzten cm des Endes befinden. So verhält es sich auch mit der Bloggerwelt. Ist man mal in dieser Spirale gelandet, schwimmt, schwimmt und schwimmt man. Immer schneller und intensiver. Immer präziser. Man versucht mit den anderen mitzuhalten. Der Druck ist enorm. Und man hat teilweise nicht einmal die Zeit darüber nachzudenken, was da eigentlich gerade passiert. Man tut, tut und tut. Sonst verliert man den Anschluss.

Es gab eine Zeit, da habe ich gekauft, gekauft und gekauft. Zugegeben! Ich glaube ich war etwas shoppingsüchtig. Einerseits war es für mich eine Art Belohnung für stressige Zeiten: „Gut gemacht. Jetzt darfst du dich mit Shoppen belohnen!“ Die Zeit war auch wirklich stressig. Ich habe 50-55 Stunden in der Woche gearbeitet und nebenbei gebloggt. Shoppen war ein Gefühl der Zufriedenheit. Aber nur für einen kurzen Moment. Dann war da noch diese Bloggerwelt, die dieses Kaufverhalten noch viel drastischer beeinflusst hat. So kam es, dass sich dieses Szenario immer wieder wiederholte, wie in einer endlosen Regenbogenspirale. Schließlich musste man ja mithalten. Sonst konnte man nicht mit denselben Karten mitspielen. Dieses Gefühl stets mithalten und neue Beiträge mit neuen Looks abliefern zu müssen, war im Nachhinein betrachtet, eine furchtbare Bürde! Das Traurigste war: Ich war blind! Die Endlosspirale war für mich unsichtbar. Und ich war nicht ich selbst! Ich trug zB Dinge, die im Nachhinein betrachtet nicht ich waren. Ich trug sie, weil es mir die Bloggerwelt so vorzeigte. 

Dann machte es KLICK!!!!!!

Gott sei Dank. Dann kam mein befreiender Klick und ich erkannte den Wahnsinn. Den Wahnsinn immer dazugehören zu müssen. Den Wahnsinn meines Kaufverhaltens. Den Wahnsinn, dass Ich eigentlich nicht ich war. Den Wahnsinn, den manche Modeunternehmen auf dieser Welt verursachen. Den Wahnsinn der westlichen Welt in puncto Konsumverhalten. Den Wahnsinn des Überdrusses. All das explodierte in mir wie ein Vulkan.

Mein Kaufverhalten veränderte sich. Die Einkäufe wurden reduziert und bedacht gewählt. Ich griff eher zu Vintage. Manche Modeunternehmen wurden gemieden und ich ließ mich nicht mehr von der Bloggerwelt beeinflussen. Ich zog mein Ding durch. Und wisst ihr was? Das fühlt sich so gut an! Als ob eine große Last von mir gefallen wäre! Klar, werde ich zB bei dem einen oder anderen H&M-Teil immer noch schwach. Das passiert eher selten und bedacht. Ich denke, das ist menschlich. Leider bin ich nicht perfekt, aber mein Umdenken ein sehr guter Schritt in die richtige Richtung.

F a z i t

Behandelt die Bloggerwelt wie einen selbst gemachten Zitronensaft. Lasst nur den leckeren Saft, der euch gut tut und schmeckt, in euer Glas. Die störenden Kerne und die bittere Schale solltet ihr von eurem Glas fern halten.