Es rattert in meinem Kopf

Schon seit Monaten rattert es in meinem Kopf. Wie in einem Uhrwerk. Dinge, die mich beschäftigen. Gedanken, die mich nicht loslassen wollen. Ich möchte euch daran teilhaben lassen. Ich tu mir nur etwas schwer, die richtigen Worte zu finden. Worte, die meine Gedanken am treffendsten beschreiben. Ich weiß auch nicht, wo und wie ich anfangen soll. Ich weiß aber, dass ich gerne mit euch darüber sprechen möchte …

Schon seit Wochen versuche ich meine Gedanken aufs virtuelle Papier zu bringen, aber es fällt mir sehr schwer. Es gab bereits einige Anläufe, die aber wieder überarbeitet oder ganz gelöscht wurden. Einerseits, weil es so viele Gedanken sind und es mir irgendwie schwer fällt, sie richtig zu sortieren und andererseits, weil ich vielleicht auch etwas Angst habe, sie mit der Außenwelt zu teilen. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ihr darüber denken werdet. Ich glaube, dass viele von euch, aber auch viele in meinem Umkreis, mich nicht zu 100% verstehen werden. Ich war nämlich selbst so jemand: Ich wollte nicht zuhören. Nicht hinschauen. Wenn auch nur unterbewusst und es war kein Drang da, mich näher mit diesen Themen auseinanderzusetzen, obwohl ich wusste, dass es nur vernünftig wäre, wenn ich es tun würde. Dann war er plötzlich da: Dieser Drang nach Information. Diese Neugierde mehr wissen zu wollen. Und jetzt verfolgen mich diese Themen. Ich kann den Auslöser gar nicht zu 100% benennen. Ich denke, es waren mehrere Dinge, die sich zu einer großen Sache entwickelt haben.

Auslöser Nr. 1

Die Bloggerwelt begann mir auf den Keks zu gehen. Ich fragte mich tatsächlich: „Was tust du da Tina?“ und „Was passiert hier bitte?„. Eine schöne glückliche Welt ohne Problemen. Happypeppyness! UND: Überfluss, Überfluss und fucking ÜBERFLUSS! Ein Überfluss, der mich begonnen hat zu belasten und mich zum Grübeln veranlasst hat. Ist das der Sinn des Lebens? Wir strampeln und strampeln, damit wir uns noch mehr Zeug kaufen können, das wir gar nicht brauchen und auch gar nicht wirklich schätzen, weil diese Dinge ja eh selbstverständlich geworden sind. Keine Zeit mehr für die wesentlichen Dinge im Leben. Immer nur gestresst am Abarbeiten von to-Do-Listen. Alle immer nur busy busy. Sei ehrlich! Wann hast du das letzte Mal deine Großeltern besucht? Und dann kommt noch hinzu, dass wir in einem Überfluss auf Kosten anderer Menschen/Länder leben. Sogar deren Leben gefährden.

Auslöser Nr. 2

Auslöser Nr. 2 passierte ziemlich zeitnah. Bitte nicht auslachen! Es war die Netflix-Doku „Unser Kosmos„. :-) Wir wissen doch alle, dass die Erde, aber auch das gesamte Universum einzigartig sind. Aber ist es uns auch tatsächlich zu 100% bewusst?! Wie alt ist die Erde? Wie ist sie entstanden? Wie ist der Mensch entstanden? Und was passiert um uns herum – in unserer Galaxie aber auch in anderen Galaxien? Mir war schon immer klar, dass wir ein kleiner Teil eines viel größeren Ganzen sind, aber ich habe zuvor nicht im Detail darüber nachgedacht. Durch die Doku und einige Bücher, die danach folgten, wurde mir erst so einiges bewusst. Wie soll ich es nur sagen, ohne dass ihr denkt, ich sei komplett verrückt. Aber was soll ich machen. Das sind nunmal die Gedanken, die mich derzeit verfolgen. Wenn einem bewusst wird, wie unfassbar groß und einzigartig dieses große Ganze ist, dann wird einem gleichzeitig auch bewusst, dass es nur einen großen Sinn gibt, der uns ALLE etwas angeht und für den wir ALLE verantwortlich sind: Das Weiterkommen der Menschheit und deren Erhalt sowie der Erhalt der Erde. Klar, hat jeder von uns für sich selbst den wichtigen Sinn im Leben, wie zB seine Familie usw. Aber mit dem großen gemeinschaftlichen Sinn geht auch der Sinn des Einzelnen unter. Bam, jetzt sind die Worte getippt und der Beitrag ist draußen. Kein Zurück mehr für mich. Wer ruft bei der Klapsmühle an? ;p Nein Scherz beiseite. Bitte atmet kurz durch und denkt darüber nach!

Auslöser Nr. 3

Kommen wir zu Auslöser Nr. 3. Der emotionalste Auslöser, der mich am stärksten zum Nachdenken angeregt hat: Ich bin normalerweise ein Mensch, der kein Fan von Einseitigkeiten ist. Nehmen wir zB das Thema Politik her. Wenn es um Politik geht, versuche ich immer alle Seiten zu verstehen. Warum wählt dieser Mensch diese eine Partei? Was geht in ihm vor? Vor was hat er Angst? Was bewegt ihn? Ich habe zwar immer eine klare Meinung, lasse mich aber auch auf gegensätzliche Diskussionen ein. Austausch ist extrem wichtig, um seinen eigenen Tunnelblick zu verlassen. Manchmal merkt man nämlich erst dann, dass man sich mit seiner eigenen Meinung ebenfalls in einem Extrem bewegt. Auf was will ich nun hinaus? Auslöser Nr. 3. waren die Veganer, die Fleisch- und Milchindustrie. Ich möchte 100% ehrlich zu euch sein: Mir sind Veganer eine zeitlang ziemlich auf den Keks gegangen. Sie waren für mich zu extrem und wussten in meiner Empfindung alles besser. Sie waren die Heiligen und der Rest der Bevölkerung die Bösen. Ich wollte ihnen nicht zuhören. Wenn auch nur unterbewusst. Jetzt, wo ich tiefer darüber nachdenke, frage ich mich: „Warum wollte ich ihnen nicht zuhören? Sonst versuche ich ja auch immer alle Seiten zu verstehen. Haben sie ZU LAUT geschrien? Wollten sie einen zu aggressiv in die eigene Richtung ziehen? Hatten sie für andere ebenfalls kein Verständnis? Hatte ich vielleicht sogar Angst?“ Ich kann es nicht zu 100% benennen. Aber was ich verstanden habe, ist: Wenn die ein Seite der anderen Seite nicht einmal annähernd zuhören und sich gar nicht informieren möchte, dann beginnt die andere Seite zunächst hilflos und dann aggressiv zu schreien. Jede Seite sollte versuchen, die andere Seite zu verstehen. In jeder Lebenslage. Belehrungen helfen nicht, sondern der Austausch von „warum denken wir so“, „was bewegt uns“ und „was sind unsere Erfahrungen bzw. Nicht-Erfahrungen zu diesem Thema“ – und ganz wichtig: Auf Augenhöhe. Erst dann lernt man zu verstehen, was den einzelnen Menschen bewegt. Aus jetziger Sicht nehme ich die Schuld des Nichtzuhörens zu 100% auf mich und ich habe sogar ein sehr schlechtes Gewissen, wie ich teilweise über Veganer gedacht habe. Jetzt bewundere ich sie. Sie haben meinen VOLLSTEN RESPEKT!

Ich möchte euch nun erklären, ab welchem Zeitpunkt ich begonnen habe, mich mit dem Thema Veganismus auseinanderzusetzen. Ein lieber Mensch in meinem Umkreis hatte gesundheitliche Probleme. Keine Sorge, aus derzeitiger Sicht ist alles im Griff. Die Ernährung muss jedoch beachtet werden, sonst kann sich das Blatt wieder wenden. Daraufhin bin ich selbst zum Labor gelaufen, um mir ein Blutbild erstellen zu lassen. Die reinste Katastrophe. Da passt so einiges nicht. Alles Dinge, die man aber mit einer ausgewogenen Ernährung wieder in den Griff bekommen kann. Über meine Ernährung davor möchte ich erst gar nicht sprechen. Zucker war für mich ein Grundnahrungsmittel. Hier begann nun die Reise. Ich habe mittlerweile 4 Bücher über Ernährung gelesen. 2 weitere warten im meinem Bücherregal. Ich habe mir so einige Dokus auf Netflix und Amazon Prime angesehen. Im Internet recherchiert und mir viele viele Artikel über Studien durchgelesen. Plötzlich stand ich vor dem großen V-Wort, das mich vorher eher überfordert hat, und ich war unfassbar daran interessiert zu erfahren, was Veganer bewegt. Ich begann einigen lieben Mädels, die sich schon seit Jahren vegan ernähren, auf Instagram zu folgen. Ich begann zuzuhören, Fragen zu stellen und hörte mir deren Geschichten an. Ich begann zu recherchieren und beschäftigte mich mit Fakten. Vielen Zahlen! Plötzlich drehte sich bei mir alles im Magen um und es machte PEEEEEEEEEEEEENG!!!!!!!!!!!!!!!!! Ich verstand sie – die Veganer!!!!!!!!!!!! Jedes einzelne Wort!!!!!!!!!!!

Habt ihr euch schon mal mit der Milchindustrie auseinandergesetzt? Wie die Tiere gehalten und behandelt werden? In welcher Masse? Was mit den kleinen Kälbern passiert? Wie große Molkereien mit Bauern umgehen? Und wer im Endeffekt der große FUCKING GEWINNER ist? Und wie die westliche Welt wieder einmal für das Leid vieler anderer Länder verantwortlich ist? Und wie die EU wieder einmal nur Zuseher ist? Aber nicht nur die Milchindustrie schockiert, sondern auch die Fleischindustrie. Ich habe mir davor noch nie Gedanken darüber gemacht, wie Tiere gehalten werden, wie unsere Milch produziert wird. Welche Medikamente den Tieren verabreicht werden und was die gesamte Fleisch- und Milchindustrie der Umwelt und unserer Gesundheit antut. Ich dachte immer, die Milchindustrie sei harmlos. Man tut ja den Tieren nichts, wenn man sich Milch von ihnen holt. Was aber genau dahintersteckt, war mir nicht klar. All dieses Wissen belastet mich nun. Es tut mir im Herzen weh. Manchmal fühl ich mich sogar absolut hilflos. Wie ein Passagier in einem Zug mit defekter Bremse. So so gerne möchte ich diese Quellen nach und nach mit euch teilen. Vielleicht öffnen sie dem einen oder anderen von euch ebenfalls die Augen.

Ich muss euch noch etwas sagen

Wir Menschen sind nicht perfekt. Das ist ok so, denn das macht uns menschlich. Wir müssen nicht radikal auf ALLES verzichten. Immer schafft man es nicht. Egal aus welchen Gründen. Deshalb möchte ich auch nicht sagen, verzichtet zu 100% auf Fleisch und geht nie wieder bei H&M und Co einkaufen. NEIN! Was aber wichtig wäre, wäre ein Bewusstsein für bestimmte Themen zu haben. Informiert euch! Seid neugierig, denkt über bestimmte Dinge tiefer nach und hört euch immer alle Seiten an! Wenn jeder von uns kleine Schritte ändern würde, wie zB nur 1 x pro Woche Fleisch (oder vielleicht sogar weniger) essen und dabei Fleisch als etwas Kostbares und nicht als eine Selbstverständlichkeit sehen würde, mehr auf die Herkunft/Herstellung seiner Milch- und Fleischprodukte achten würde (zB Biomilch – es gibt so viele österreichische Bauern, die darauf achten, wie sie die Tiere halten und behandeln) oder seltener zu H&M laufen würde, dann ist das ein UNFASSBAR GROßER gemeinschaftlicher Schritt in die richtige Richtung. Jeder sollte sich das als Ziel setzen, was für ihn möglich ist. Keiner sollte den anderen verurteilen. Leben und leben lassen. Auch mit kleinen Schritten kann man an einem Strang ziehen. Hauptsache man zieht!  

Ich zB ernähre mich derzeit zu 80% vegan. Mich bewegen hier mehrere Gründe: Tierwohl, Umwelt, aber auch die Gesundheit. Ich schaffe es nicht immer. Ich kann meiner Mum oder zB Menschen, bei denen ich eingeladen werde, nicht vorschreiben, was sie kochen sollen. Zu Weihnachten hätte ich mich zwar fast übergeben, aber ich habe das Fleisch meiner Mum zu Liebe runtergedrückt. Schließlich hat sie Stunden in der Küche verbracht und den Tisch mit sehr viel Liebe zubereitet. Wir bekommen in der Arbeit zB auch immer ein Mittagessen frisch zubereitet. Manchmal ist Fleisch dabei. Manchmal sind Milchprodukte dabei. Das Essen wegzuwerfen wäre meiner Meinung nach sogar noch schlimmer, als es zu essen. Klar, könnte man sein Essen jeden Tag selbst zubereiten und in die Arbeit mitnehmen oder auch zu Weihnachten oder bei Besuchen sein eigenes Essen mitnehmen. Aber ganz ehrlich: Ich schaffe das in diesem Ausmaß nicht. Das heißt aber nicht, dass mir dieses Thema nicht am Herzen liegt. Wenn ich aber koche, dann fast nur mehr vegan. Ab und zu landen immer noch Käse oder Fisch auf meinem Teller und wenn, dann achte ich darauf, wer diese Lebensmittel produziert hat und ich schätze meine Mahlzeit. Was H&M und Co angeht, hat sich mein Kaufverhalten drastisch verändert. Ich habe in den letzten Monaten fast nichts geshoppt und wenn, dann eher nur Second Hand. Ich kann nicht zu 100% ausschließen, dass ich nie wieder zu H&M rennen werde. Irgendwann werde ich bei dem einen oder anderen Teil bestimmt auch schwach. Aber wenn ich mein Kaufverhalten der letzten Jahre mit meinem jetzigen Kaufverhalten vergleiche, dann ist das wie Tag und Nacht. Es haben sich unfassbar große Schritte getan. Und wisst ihr was: Eine Last ist von mir gefallen. 

So, jetzt sind die Zeilen endgültig verfasst und draußen. Eure Gedanken zu diesen Themen würden mich sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr interessieren!