Eli Pariser – the filter bubble

Das Internet ist definitiv eine Bereicherung für die Menschheit. Noch nie war es uns möglich, so schnell an gezielte Informationen zu gelangen. Stellt euch eine Diskussion vor, bei der unterschiedliche Antworten behauptet werden, und es nicht möglich wäre, nach DER RICHTIGEN Antwort zu googeln. Stellt euch eine Welt vor, in der unwahre Tatsachen verbreitet werden, die man nur schwer nachvollziehen bzw. richtig stellen könnte. Eine Welt, in der man nur schwer von den Geschehnissen der restlichen Welt erfahren könnte. Durch das Internet ist keine der zuvor genannten Szenarien mehr möglich. Korrekte Antworten hat man schnell parat und unwahre Tatsachen können rasch richtig gestellt werden. Und das ist auch gut so. Aus politischer Sicht eigentlich ein wichtiges Tool der Demokratisierung. Sollte man zumindest meinen …

Personalisierung, Algorithmen und Relevanz. Die drei wichtigsten Tools des digitalen Marketings. Viele von uns nehmen sie nur im Unterbewusstsein wahr und merken erst gar nicht, wie sehr sie unser Denken beeinflussen. Datenschutzrechtliche Themen beunruhigen uns, ohne zu merken, dass wir es eigentlich mit einem viel größeren Problem zu tun haben: Der Filterblase. Polarisierung und Engstirnigkeit des World Wide Web VS Google weiß, dass mein Nachhauseweg ca. 15 Minuten dauern wird. Was ist besorgniserregender? Eigentlich beides, jedoch macht mir das Erstere noch viel mehr Angst, da viele von uns das Problem sowie die Reflektion des Problems auf einen selbst noch nicht erkannt haben. Mit einem unsichtbaren Giganten wird man sich erst gar nicht auseinandersetzen bzw. erst recht nicht versuchen über den eigenen Tellerrand zu blicken. Meiner Meinung nach, ein sehr gefährliches Instrument.

„Zwei Asylwerber retten in Innsbruck ein fünfjähriges Kind, das am Balkon herumklettert und abstürzt – indem sie ihre Jacken aufspannen und das Kind auffangen. Hunderten Personen gefällt diese Nachricht, die von der Facebook-Seite der „Zeit im Bild“ stammt und etwa von der „Plattform für eine menschliche Asylpolitik“ geteilt wurde. Parallel dazu kursierte auf Facebook ein anderer Nachrichtenbeitrag: Ein junger Afghane soll den „Niederösterreichischen Nachrichten“ zufolge in einem St. Pöltner Spital randaliert haben. „Aber so was von schnell in Handschellen ab nach Kabul! Stopp dem Asylwahnsinn!“, kommentiert die Facebook-Seite „Wir unterstützen Norbert Hofer“. Zwei Nachrichten über Asylwerber mit zueinander konträren Aussagen – und ein Indiz dafür, dass Anhänger unterschiedlicher politischer Lager diametral unterschiedliche Nachrichten konsumieren und verbreiten.“ So lautet die Einleitung eines Artikels, der gestern auf derStandard.at erschienen ist (siehe hier) und den ihr auf jeden Fall lesen solltet, vor allem die Gegenüberstellung von den VdB und Hofer Facebook-Beiträgen. Der Artikel befasst sich mit der sogenannten „Filterblase“, ein Thema mit dem ich mich schon während des US-Wahlkampfes beschäftigt habe. Denn im Zuge dessen bin ich über das Buch von Eli Pariser gestoßen, von welchem der Begriff „Filterblase“ geprägt wurde: „The Filter bubble. What the internet is hidding from you. (Ausgabe in Deutsch ebenfalls erhältlich – siehe hier). 

Begonnen hat alles damit, dass Eli Pariser zwei seiner Freundinnen, beide waren recht ähnlich – gebildet, politisch nach links tendierende Frauen, die im Nordosten der USA lebten, bat den Begriff „BP“ zu googeln. Beide bekamen unterschiedliche Ergebnisse zu sehen. Während die eine Meldungen über eine Ölkatastrophe angezeigt bekam, wurden der zweiten Freundin lediglich Investmentinformationen und Werbung zu BP angezeigt. Das Prinzip, welches zu einem derartigen „Filter“ führt, ist nicht immer einfach zu verstehen und heißt, wie bereits anfangs kurz angeschnitten und von Eli Pariser in seinem Buch beschrieben, Personalisierung. Google als auch Facebook beobachten unsere Aktivitäten im Netz. Es werden anhand unserer Likes und Klicks Rückschlüsse zu unseren Interessen gezogen. Dadurch wird für jeden von uns ein eigenes Informationsuniversum geschaffen: Die Filterblase. Wir konsumieren nur mehr Informationen bei denen Facebook/Google meint, dass sie für uns relevant sein könnten. Der Rest wird ausgeblendet und ist teilweise komplett unsichtbar. Aus politischer Sicht: Ein sehr gefährliches Unterfangen.

„A squirrel dying in front of your house may be more relevant to your interests right now than people dying in Africa – Marc Zuckerberg.“

Was ist die Konsequenz? Wir werden von der restlichen Meinungswelt abgeschottet und bekommen hauptsächlich Meldungen angezeigt, die unsere eigene Meinung untermauert. Es geht noch weiter und das ist meiner Meinung nach ein Punkt über den wir uns Sorgen machen sollten. Ein Punkt der den gesamten Wahlkampf VdB VS Hofer dominiert: Wir leben in unserer eigenen kleinen Welt. Wir beginnen nur mehr das wahrzunehmen und das zu glauben, was sich in unserer eigenen Blase abspielt. Nur das ist die „wahre“ Meinung und alle anderen „lügen“. Man rückt zu der „einen wahren Seite“ und versucht jegliche Objektivität bzw. jegliches über-die-eigene-Blase-Hinausblicken zu ignorieren. Man hört auf Dinge zu hinterfragen, Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und Meinungen anderer Mitmenschen zu verstehen. Man ist nur mehr auf die „eine wahre Seite“ verbissen. Genau das spielt sich im Moment bei uns ab. Wir merken es aber nicht. Und genau das macht mir Angst … Und sehr kritisch wird dieser Punkt vor allem bei Menschen, die zB Facebook als News-Quelle und nicht nur als Unterhaltungsquelle nutzen. Pariser zeigt zB in seinem Buch auf, dass 36 % der Amis Facebook tatsächlich als politische News-Quellle nutzen und sich eher wenig an anderen Medien anhalten.

„Demokratie verlangt, dass man Dinge aus den Blickwinkeln anderer sieht, doch wir sind immer mehr in unseren eigenen kleinen Welten gefangen. Demokratie verlangt gemeinsame Grundsätze, aber man setzt uns in parallele, aber getrennte Universen – Eli Pariser.“

Meine obige „Kritik“ geht mittlerweile gleichermaßen an beide „Lager“ – nicht nur an Rechts, sondern auch an Links (furchtbare Bezeichnung eigentlich – „beide Lager“. Aber es trifft momentan, wie ich finde, zu). Mittlerweile ist, meiner Meinung nach, keine Seite besser als die andere. F*ck Hofer Demo?! Echt jetzt? Das kann doch bitte nicht deren ernst sein! Was soll das bringen? Außer, dass man sich mit der FPÖ auf dasselbe Podest stellt. VdB hat sich zurecht von dieser Aktion distanziert.

Wie entkomme ich der Filterblase?

  • Bewusst Meinungen von verschiedenen Fronten einholen;
  • Menschen mit anderer Meinung zuhören und versuchen zu verstehen, wieso sie so denken;
  • Dinge aus mehreren Perspektiven betrachten;
  • stets Objektivität bewahren und
  • man darf auch durchaus Artikel von etablierten Medien hinterfragen.

In diesem Sinne: Happy 4.12.!

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