Tinera Insights #2

Mut! Was bedeutet Mut? Laut Duden-Definition Nachfolgendes:

„a) Fähigkeit, in einer gefährlichen, riskanten Situation seine Angst zu überwinden; Furchtlosigkeit angesichts einer Situation, in der man Angst haben könnte.

b) [grundsätzliche] Bereitschaft, angesichts zu erwartender Nachteile etwas zu tun, was man für richtig hält“.

Vor allem die zweite Definition finde ich sehr spannend: Angesichts zu erwartender Nachteile tut man etwas, weil man dennoch glaubt, dass es das Richtige ist. Über diesen Satz könnte man, denke ich, stundenlang philosophieren. Woher weiß man aber, was falsch und was richtig ist? Vor allem: Kann das für einen Richtige für einen anderen das Falsche sein?

Unglücklich sein

Wir Menschen leben vor uns hin. Erleben jede Woche relativ gleich. Wir haben Gewohnheiten. Vielleicht sogar Rituale. Wir sind gewohnt, dass die Dinge so sind wie sie sind und manchmal finden wir uns mit bestimmten Dingen/Situation ab. In diesem sogenannten Alltag merken wir vielleicht, dass uns etwas unglücklich macht. Manchmal können wir den Übeltäter sofort identifizieren. Aber manchmal sind wir uns nicht zu 100% im Klaren, wer oder was das Tief in uns auslöst.

Übeltäter für`s Unglücklichsein wurde identifiziert 

Wird uns klar, was uns zum Unglücklichsein treibt, kommt es zur nächsten Challenge: „Was muss ich ändern? Aber das kann ich nicht machen! Der Schritt ist zu weit und der Mut zu klein! Ich müsste aus meiner Komfortzone! Was, wenn alles schief geht? Was, wenn es doch die falsche Entscheidung war? Ich kann mich ja mit der alten Situation abfinden!“

Wie fasse ich meinen Mut zusammen?

Mut zu haben ist nicht einfach! Man muss sich aus seiner Komfortzone begeben. Vielleicht sogar sein gesamtes Leben umkrempeln. Man weiß nicht, was auf einen am Ende des Tunnels wartet. Man hat vielleicht sogar viel zu riskieren. Man hat Angst! Und manchmal wirkt der große Schritt sogar absurd!

Tineras Mut & die Veränderung

Genau diese Gedanken haben mich vor einigen Monaten verfolgt. Ich hatte Angst. Ich war verunsichert, doch im Endeffekt habe ich alle Zähne zusammengebissen und den Schritt der Veränderung gewagt. Ich sag`s euch: Ich bereue den Schritt keine Sekunde. Es war ABSOLUT DIE BESTE Entscheidung, denn mir geht es momentan so gut wie schon lange nicht mehr. Aber nun schön langsam zu meiner Geschichte …..

Die Entscheidung

Ich glaube ich habe euch noch nie so wirklich erzählt, was ich studiert habe! Ich habe in Wien Jus studiert. Mit 18. stand man vor der Entscheidung „Was mache ich jetzt!“. Meiner Meinung nach ein Alter, in dem man noch nicht eine Entscheidung für das gesamte Leben treffen kann. Woher soll man mit 18. wissen, was man bis zur Pension machen möchte? Man hat doch noch nichts von der Welt gesehen. Ich hatte damals keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Die Interessen waren aber umfangreich: Politik, Sport, kreative Neigungen. Ich konnte mich auch sehr gut in einer Schule als Lehrerin sehen. Ich musste aber EINE Entscheidung treffen. Diese fiel dann auf Jus. „Mit Jus kann man viel machen. In jedem Unternehmen arbeiten. Viel Geld verdienen!“. So die Leute zum Thema Jus. Tja, klang für mich vernünftig, drum studier ma halt Jus.

Die ersten Schritte meiner Entscheidung

Na gut. Da war ich nun. Am Juridicum. Mit 1.000ten anderen Studenten. Etliche Stunden habe ich am Boden verbracht, da diese Institution unfassbar überfüllt war. Schon damals dachte ich mir: „Wer zum Kuckuck braucht so viele Juristen!“. Ganz ehrlich: Kein Mensch! Viele Gesichter, die ich zu Beginn kennengelernt habe, haben am Weg aufgegeben. Ich stattdessen war der Meinung: Hat man mit was begonnen, muss man es auch durchziehen. Fertig aus! Du beschissenes ehrgeiziges früheres ICH!

Die Gesellschaft

„Als Jurist/Anwalt bist du wer!“ habe ich die Leute immer sagen hören. Aha, jetzt denke ich mir: Woher wisst ihr das eigentlich so genau. Bist leicht selber Jurist/Anwalt? Überhaupt schon mal eine Kanzlei von Innen gesehen? Als kreativer Tischler, der vielleicht sogar ein Unternehmer ist, ist man niemand oder was? Wie mich dieses gesellschaftliche Denken ankotzt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Menschen mit einem derartigen Denken gehe ich heute aus dem Weg!

Die Konsequenz 

Jurist oder Anwalt zu sein hört sich natürlich ultra geil an! Man sieht es ja schließlich in den amerikanischen Filmen. Tolle Anzüge, schicke Handtaschen und High Heels. Geile Büro-Affären. Das Leben ist ja schließlich voll Suits!

Na aber fix nicht! Es ist harte Arbeit. In den meisten Fällen sogar zum Nachteil der Freizeit/des eigenen Privatlebens/der eigenen Gesundheit! Zudem als Frau, die mal Familie haben möchte, kein Zuckerschlecken! Ich scheue mich absolut nicht vor harter Arbeit. Aber, wenn man dann etwas macht, das einen nicht zu 100% glücklich macht und bei dem die Leidenschaft nicht vorhanden ist, dann kann dies große Nachteile mit sich bringen. Wenn man etwas aus 100%-iger Überzeugung macht, dann kann man bis in die Morgenstunden hineinarbeiten und man wird sich dennoch gut fühlen. Ich hoffe, ihr versteht, was ich damit sagen möchte? Ich habe Kollegen in meiner früheren Kanzlei bewundert, die ihren Juristen-/Anwaltsjob aus 100%-iger Überzeugung betrieben haben. Ich habe sie angesehen und mir oft gedacht: „Ich will auch etwas machen, bei dem meine Leidenschaft dermaßen brennt!“. Menschen sind eben unterschiedlich und das ist ok so! Jeder muss für sich das Richtige finden! Auch wenn es einiger Anläufe bedarf.

Nicht, dass mir die Juristerei überhaupt keinen Spaß gemacht hat. Sie ist unfassbar spannend. Vor allem, wenn man für rechtliche Probleme kreative Lösungen finden kann und in verschiedene Richtungen verknüpfen kann. Ich blicke auf diese Zeit mit sehr viel Respekt zurück. Ich habe unfassbar viel gelernt und extrem guten Juristen bei der Arbeit zugesehen. Ich brauche keinen Steuerberater, da ich mir alles selber machen kann. Ich verstehe meinen Mietvertrag, meinen Dienstvertrag, kann selber ein Unternehmen gründen usw. Doch meine Leidenschaft ist die Juristerei nicht. Nach 4 Jahren Berufsleben in dieser Branche hatte ich es endlich zu 100% erkannt: Ich MUSS weg! UND: Ich wusste auch schon wohin! In die Kreativbranche!

MEIN MUT – Die Juristerei an den Nagel zu hängen

Glaubt mir, es war alles andere als leicht. Ich habe Monate gebraucht bis ich den Weg endgültig beschritten habe. Ihr dürft nicht vergessen: Man wirft sein gesamtes Studium und die gesamte Berufserfahrung hin. Man fängt wieder komplett von NULL an! Ich dachte mir aber: „Jetzt oder nie!“

Ich habe diese Entscheidung letztendlich versucht nicht so schwarz an die Wand zu malen. Das hat mir geholfen! Klar wirft man alles hin, aber das Wissen, das ich erworben habe, kann mir keiner mehr nehmen. Auch wenn der neue Job nichts mit Jus zu tun hat, begegnet einem Recht ja trotzdem: Wie ist das nun mit Bildrechten? Was sind die rechtlichen Bedingungen auf Social Media oder auf einer Webseite? Darf ich jetzt Fotos einbetten? Wie muss der Influencer, mit dem mein Kunde nun zusammenarbeitet, die Werbung kennzeichnen usw.

Neuer Weg. Neue Branche. Neuer Job.

Meine Leidenschaft ist Online Marketing (vor allem Social Media). Drum habe ich ausbildungstechnisch einen Plan B gesucht und die Werbeakademie berufsbegleitend abgeschlossen. Beste Entscheidung. Danach habe ich gekündigt, meine Sachen gepackt und weiter ging`s mit meinem ersten Tag an dem neuen Arbeitsplatz: Einer Wiener Social Media Agentur. 1000 Bedenken hatte ich. „War es die richtige Entscheidung. Du Idiot studierst was und haust alles hin.“ Dann war der erste Tag um. Die erste Woche. Das erste Monat. Die ersten Monate. Und ich sag es euch wie es ist: BEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEESTE ENTSCHEIDUNG, DIE ICH IN MEINEM GANZEN FUCKING LEBEN GETROFFEN HABE! Ich liebe meinen Job! Der Job ist genau das was ich machen möchte! Ich hatte noch keine Sekunde, in der ich mir am Morgen gedacht habe: „Heute zaht´s mi ned!“. So gut wie es mir derzeit geht, ging`s mir schon lange nicht mehr! Das merkt man auch an meinen Launen und meiner Energie, die ich derzeit habe. Machen zu dürfen, was man liebt, bedeutet für mich Glückseligkeit!!!!!!!!!!!!!!!!!

Was ich euch mit dem Text sagen möchte

Habt Mut neue Wege einzuschlagen! Egal, wie holprig der Weg sein mag! Probiert ihr es nie aus, werdet ihr niemals wissen, ob etwas für einen selbst falsch oder richtig ist! Drum möchte ich mit diesem Beitrag nicht sagen Jus ist falsch und der Teufel. Social Media ist richtig. Nein! Für mich ist die Branche richtig. Für dich aber vielleicht nicht. Das muss jeder für sich selbst herausfinden!

Natürlich gibt es Menschen auf der Welt, die im Leben keine Wahl haben. Aber ich denke, in Österreich geht es der Mehrheit ziemlich gut und wir können über unser Leben sehr gut entscheiden und es in alle Richtungen lenken. Man ist dafür auch nie zu alt! Ich bin jetzt 30. und der Weg zur Pension ist noch unpackbar lang. Etwas so lange zu machen, das einem nicht zu 100% Spaß macht, macht einen im Endeffekt kaputt. Merkt euch das und denkt bei der nächsten mutigen Entscheidung ein wenig an mich! I DID IT and it was worth it!