Für Blogger: Werbung richtig kennzeichnen

Ich habe euch bereits in diesem Artikel (Impressum richtig erstellen) erzählt, dass ich momentan den Lehrgang Online Marketing auf der Werbeakademie besuche. Recht ist dabei ein sehr wichtiger Bestandteil des Lehrplanes, da es im Online Marketing so einige Dinge gibt, die man auf jeden Fall wissen und beachten sollte. Das tolle an diesem Lehrgang ist, dass man nicht von Professoren berieselt wird, welche Spezialisten in der Theorie sind, sondern von Personen lernen darf, die tatsächlich in dieser Branche arbeiten und erfolgreich sind. So ist Rechtsanwalt Alexander Koukal für den Teil Recht zuständig. Er ist ein richtiger Experte auf seinem Gebiet und wusste auf jede Frage eine Antwort. Da mir aufgefallen ist, dass das Thema Kennzeichnung von Werbung für viele heimische Blogger einen nicht überschaubaren Dschungel darstellt, habe ich bei diesem Thema etwas tiefer nachgebohrt. Hier mein rechtliches Wissen, welches ich aus dem Kurs zum Thema Kennzeichnungspflicht für Werbung mitnehmen durfte:

§ 26 MedG

Die Kennzeichnungspflicht für Werbung ist klar im Gesetz geregelt. § 26 Mediengesetz verlangt, dass „Ankündigungen, Empfehlungen sowie sonstige Beiträge und Berichte, für deren Veröffentlichung ein Entgelt geleistet wird, in periodischen Medien als Anzeige, entgeltliche Einschaltung oder Werbung gekennzeichnet sein müssen, es sei denn, daß Zweifel über die Entgeltlichkeit durch Gestaltung oder Anordnung ausgeschlossen werden können.“ Blogs, welche für einen Beitrag ein Entgelt beziehen oder einen Banner auf dem Blog implementieren, sind auf jeden Fall von dieser Regelung umfasst. Fraglich ist, ob die Entgeltlichkeit bei Erhalt von zb Produkten ebenfalls gegeben ist. Herr Koukal würde diese bejahen. Somit müssten Beiträge, für welche man kein Entgelt, jedoch als Gegenleistung Produkte erhalten hat, ebenfalls als Anzeige, Werbung oder entgeltliche Einschaltung gekennzeichnet werden. Ob Affiliate-Links von dieser Regelung umfasst sind, ist jedoch unklar. Hierzu gibt es auch keine Judikatur. Herr Koukal würde die Anwendbarkeit dieser Regelung auf Affiliate-Links verneinen, kann aber nicht garantieren, dass im Falle eines Verfahrens ein Gericht seiner Meinung folgen würde. Möchte man aber Transparenz für den Leser garantieren, dann sollten Beiträge mit Affiliate-Links ebenfalls gekennzeichnet werden. Nicht unbedingt als Anzeige, entgeltliche Einschaltung oder Werbung, sondern beispielsweise als „Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links“.

Die Kennzeichnung muss deutlich erkennbar sein und sich direkt bei der Einschaltung befinden. Ob die Kennzeichnung zu Beginn oder erst am Ende des Beitrages zu sehen ist, ist irrelevant. Eine Kennzeichnung im Text selbst wäre jedoch nicht deutlich erkennbar und daher nicht im Sinne des § 26 MedG. Diese Kennzeichnungspflicht bezieht sich nicht nur auf Blogeiträge/Banner, sondern ist auch bei Einschaltungen in einem Newsletter erforderlich, wenn dieser mindestens 4 x im Jahr erscheint.

Konsequenzen?

In Österreich gibt es derzeit keine Behörde, welche Blogs durchforstet und überprüft, ob diese ihre Kennzeichnungspflicht einhalten. Noch nicht zumindest. Unsere Nachbarn, die Deutschen, sind bei dieser Angelegenheit etwas strenger. Hier gibt es bereits strenge Abmahnungen und Strafen. In Österreich würde man beim ersten Mal wahrscheinlich zunächst auch nur eine Abmahnung erhalten und bei einem weiteren Vergehen eine Geldstrafe bis zu EUR 200. Die Kennzeichnungspflicht ist aber dennoch aus nachfolgenden Gründen wichtig: In Deutschland zB gibt es Anwälte, die sich darauf spezialisiert haben, zu kontrollieren, ob Medien diese Kennzeichnungspflicht einhalten. Aber warum nur? Es ist nämlich so, dass eine falsche oder gar unterlassene Kennzeichnung einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht darstellt. Das bedeutet, dass Medien durch Mitbewerber auf unlauteren Wettbewerb iS des UWG geklagt werden können.

Fazit 

Ich gehe davon aus, dass kein Blogger einen anderen Blogger wegen unlauterem Wettbewerb verklagen würde, nur weil der eine Bloggerkollege seine Beiträge nicht oder nicht korrekt kennzeichnet. Jedoch bin ich der Meinung, dass dennoch alle Blogger nach denselben Regeln spielen sollten und sich diese Kennzeichnungspflicht zu Herzen nehmen sollten. Vor allem ist es ja auch für den Leser wichtig zu wissen, was er da gerade liest. Klar, man nimmt nur Kooperationen an, welche 100 % zu einem passen, aber dennoch sollte die Transparenz für den Leser ganz weit oben stehen.

Und obwohl es diese klare gesetzliche Regelung gibt, gibt es immer noch Unternehmen/Agenturen, die auf einen zukommen und verlangen, dass man von dieser Kennzeichnungspflicht absehen soll. Ja, ist zwar kein Weltuntergang, aber ich finde es trotzdem unverschämt und sehr umprofessionell, wenn Unternehmen/Agenturen so mit einem arbeiten wollen, denn eigentlich sollten sie es besser wissen.

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Ich hoffe, ich konnte euch mit meinem heutigen Artikel etwas weiterhelfen und alle Unklarheiten iZm Kennzeichnung von Werbung beseitigen. Solltet ihr aber dennoch fragen haben, könnt ihr mir gerne schreiben. Vielleicht kann ich sie beantworten.

  • Comments

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    Esra

    „Aber warum nur?“ – na weil Anwälte daran Geld verdienen :)
    lg
    Esra

    http://nachgesternistvormorgen.de/

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      tinera

      Hallo Esra,

      bei euch in D dürfte das überhaupt sehr arg sein. Vor allem ist das Thema bei euch ja grad so richtig schlimm eskaliert. Finde die Diskussion einfach lächerlich. Wenn ich mir etwas kaufe und es auf Instagram verlinke – wieso sollte ich es als Werbung kennzeichnen. Wi ist da bitte die Grenze?! Einfach nur lächerlich.

      LG
      Tina

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        Esra

        Es fehlt einfach echt ein richtiges Gesetzt, dass speziell auf Blogger passen würde :/ und solange es so ist, bereichern sich einige Anwälte an dieser Lücke :/
        lg
        Esra

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          tinera

          Ich versteh nicht, wieso hier die Rechtsprechung nicht eingreift. Aber da wird sich bestimmt noch etwas tun. So neu sind Blogger ja auch nicht mehr :-).

          LG
          Tina

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